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Nach einem Rumänien-Infohock
folgen wir dem Ruf der Vampire und wollen
an der Enduromania teilnehmen. Wir,
das sind Tinu von Almen und Dani
Knoedler aus Basel, Marco aus Ulm
und meine Prattler Wenigkeit
(Pitfeder).
Tinu hat bereits vorgängig das
Startgeld von 120.- Franken einbezahlt.
Nach dem Trialrichtern in Reclere
gehts noch am gleichen Tag per
Autoschlafzug nach Wien. Unser
kunstvoll bepackter Töffanhänger wird
allseits bestaunt. Von Sergio, dem
rumänischen Veranstalter, haben wir
vorgängig eine Einladung und
Kartenmaterial bekommen. Durch die
Einladungsbestätigung wird die
Einreise von Ungarn ins transilvanische
Reich wesentlich vereinfacht. Ueberhaupt,
sind die Rumänen ein einfaches
freundliches Volk. Nach einer weiteren
Uebernachtung in einer
Fernfahrerpension wird noch etwas
Teer geschluckt. Auf Anhieb finden wir
den geschotterten Einstieg ins "Wittmanntal".
Diesen Tip haben wir von
unseren Offroadfreunden Joe Krebs,
Ueli Leardi und Felix Gugger
bekommen.
Nach einer herzlichen Begrüssung
satteln wir unsere Pferde. Zuerst wird
mal die nähere Umgebung unter
die Lupe genommen. Wir befinden uns mitten
in den Karpaten. Dieses Gebirge
zieht sich hufeisenförmig durch ganz
Rumänien. Nur wenige geteerte
Strassen führen hindurch. Ein Eldorado für
Offroader! Holzschleifwege rauf
und runter. Rein ins Bärental und die
technisch
schwierigen Steinpassagen bewältigt.
Yeah, so macht Scouten Spass!
Gemeinsam mit Dani finde ich einen
Weg vom Bärental an die Baumgrenze
und weiter auf 2000 Meter rauf.
Der Wind pfeift ordentlich auf dem
Gipfel oben.
Allabendlich werden wir von der Familie
Wittmann mit 4-gängigen Menus
verköstigt. Wir geniessen die
Ruhe in diesem abgelegenen Tal. Einzig das
Brummen unserer Chlopfer hallt gelegentlich
durch diesen Teil der
Karpaten.
Wir 4 sind die für 2 Wochen
die einzigen Gäste. Ausser für 2 Nächte. Da
nisten sich 40 rumänische Mönche
ein. Aus der Wittmannskirche tönen
schöne Lieder. Auch interessieren
sich einige dieser Geistlichen für
unsere Töffs.
Um einen fiktiven Meetingpoint der
Enduromania zu erreichen, nehmen wir
300 km Teer unter die schon arg strapazierten
Stollenpneus. Beim Point
Las Vegas is nix...ausser einer unheimlich
graziellen
Serviererin...hmmmm.
Den Retourweg versüssen wir
uns mit Offroaden per GPS und Sonnenstand.
Flüsse überqueren wir x-track-mässig
über abenteuerliche
Eisenbahnbrücken. Kurz nach
einem 200-Seelen-Dorf ist die Brücke
eingestürzt. Unter dem Gejohle
der Bevölkerung pflügen wir unsere KTMs
durch die Fluten. Kurz vor Sonnenuntergang
erreichen wir unser Basiscamp
bei Wittmanns und fallen nach einem
ausgiebigen Essen in den
wohlverdienten Schlaf.
"Na Jungs, heute ist der Mount Pic
dran!" tönt es beim Morgenessen.
Gesagt, getan. GPS programmiert,
noch einen Blick auf die etwas
ungenauen Karten und ab in die Pampas.
Dani bleibt im Camp und macht
sich einen lockeren Tag. Anfangs
kommen wir noch gut voran. Doch dann
kommt oberhalb der Baumgrenze ein
technisch schwieriger Abschnitt und
wir verlieren viel Zeit. Um diese
wieder einzuholen, entschliessen wir
uns, durch eine 2 km tiefe Schlucht
abzukürzen. Dies sollte ein
verhängnisvoller Fehler sein!
Den "point of no return" überschritten,
wird die Schlucht immer
brutaler. Gemeinsam hieven wir unsere
Töfs über umgestürzte Baumstämme
und meterhohe feuchtmoosbehangene
Steinabsätze die Schlucht hinunter. 2
Stunden für 500 Meter. Puls
am Anschlag! Zu Fuss erkunden wir den
weiteren Abwärtsweg. Immer höhere
Wasserfälle wären zu bewältigen. Die
Schlucht mündet in einen breiten
reissenden Fluss. Keine Wege weit und
breit. Wären wir doch bloss
oben geblieben. Eine Stunde vor
Sonnenuntergang machen wir neben
dem Fluss auf einer Anhöhe ein
Riesenfeuer Bald hat es genug Glut,
um unsere durchnässten Kleider zu
trocknen. Es wird eine kühle
Nacht mit wenig Schlaf.
Kurz nach Sonnenaufgang nehmen wir
den Aufstieg der Schlucht in
Angriff.
Nach 6 Stunden brutalen Schindens
tauchen plötzlich 2 rumänische
Waldarbeiter auf.
Ein paar Kilometer flussabwärts
haben sie ein Holzfällercamp.
Sie haben unser Feuer gerochen und
sich gewundert, dass es hier noch
andere
Menschen gibt. Gerne helfen sie uns,
die Mopeds hochzutragen.
Unverhofft schultert ein Rumäne
seine Axt. Er bittet uns, leise zu sein.
Und tatsächlich,
aus dem Unterholz tauchen 3 Bären
auf. Sie sind etwa 50 Meter entfernt
und
verziehen sich so schnell wieder,
wie sie gekommen sind. Abenteuer pur!
Die Zeit verrinnt im fluge. Unser
Basiscamp bei Wittmanns wird auch
heute ohne uns sein.
Was denkt wohl Dani? Schicken die
womöglich noch eine Suchmannschaft?
Auf 1700 Höhenmeter nehmen wir
eine Hirtenschutzhütte in Beschlag.
Eisiger Wind pfeift um diese "Villa
Durchzug". Der Winter ist vor der
Türe.
In der Ferne heulen Wölfe. Ein
kleines Feuer, das wir die ganze Nacht
bewachen,
spendet Wärme. Diese haben wir
bitter nötig. Essen haben wir nix mehr.
Das mit Micropur behandelte Flusswasser
ist ein weiterer Trost.
Gemeinsam zittern
unsere Zähne um die Wette. Wir
hüllen uns in die mitgenommenen
Rettungsfolien ein.
Eine lange eisige Nacht. Die Milchstrasse
erscheint in vollem glasklaren
Licht.
Wir sind froh, als die ersten Sonnenstrahlen
das Dunkel vertreiben und
Wärme bringt.
3 Stunden später kommen wir
ausgemergelt im Basiscamp an. Ein
währschaftes Zmorge
bringt wieder Energie in unsere Körper.
Mittags unternehmen wir eine
kleine Soft-Tour
in die nähere Umgebung. Dann
heisst es Abschied nehmen.
Doch wir kommen wieder. Rumänien
ist sicher noch für viele Jahre ein
Enduroparadies.
mit sportlichen Grüssen
pitfeder